Übelkeit, Völlegefühl, Verstopfung oder Durchfall gehören zu den häufigsten Beschwerden unter Wegovy und Mounjaro. Besonders zu Beginn der Behandlung und während einer Dosissteigerung können Magen-Darm-Beschwerden auftreten.
Die gute Nachricht: Bei vielen Menschen werden die Beschwerden im weiteren Verlauf geringer. Außerdem lässt sich die Ernährung teilweise so anpassen, dass Mahlzeiten besser vertragen werden.
Dabei gibt es allerdings keine Ernährung, die Nebenwirkungen bei jedem verhindert. Entscheidend ist zunächst, welche Beschwerden auftreten und wodurch sie möglicherweise verstärkt werden.
Warum verursachen Wegovy und Mounjaro Magen-Darm-Beschwerden?
Wegovy enthält Semaglutid und wirkt als GLP-1-Rezeptoragonist. Mounjaro enthält Tirzepatid und wirkt sowohl am GIP- als auch am GLP-1-Rezeptor.
Die Medikamente beeinflussen Hunger und Sättigung und können die Magenentleerung verzögern. Man ist deshalb häufig schneller und länger satt.
Genau diese Veränderungen können sich aber auch als Völlegefühl, Übelkeit oder andere Magen-Darm-Beschwerden bemerkbar machen.
Zu den häufigen gastrointestinalen Nebenwirkungen gehören unter anderem:
- Übelkeit,
- Durchfall,
- Erbrechen,
- Verstopfung,
- Bauchschmerzen,
- Völlegefühl und andere Verdauungsbeschwerden.
Nicht jeder bekommt diese Beschwerden und ihre Stärke kann sehr unterschiedlich sein.
Was hilft bei Übelkeit durch Wegovy oder Mounjaro?
Wer bereits nach kleinen Mengen satt wird, verträgt eine große Mahlzeit möglicherweise schlechter.
Praktisch kann es deshalb sinnvoll sein, zunächst mit kleineren Portionen zu arbeiten. Manche Menschen kommen außerdem besser zurecht, wenn sie langsam essen und gründlich kauen.
Auch sehr fettreiche Mahlzeiten können schlechter vertragen werden. Dazu gehören beispielsweise große Mengen frittierter Speisen, sehr fettreiche Soßen oder andere besonders schwere Mahlzeiten.
Das bedeutet nicht, dass Fett grundsätzlich vermieden werden muss. Hochwertige Fettquellen gehören weiterhin zu einer ausgewogenen Ernährung. Entscheidend können Menge und individuelle Verträglichkeit sein.
Bei ausgeprägter Übelkeit sollte außerdem geprüft werden, ob noch ausreichend gegessen und getrunken werden kann.
Was tun bei starkem Völlegefühl?
Unter Wegovy oder Mounjaro kann eine Portion, die früher problemlos gegessen wurde, plötzlich zu groß sein.
Deshalb ist es sinnvoll, nicht nach den alten Portionsgrößen weiterzuessen, sondern stärker auf die neu auftretende Sättigung zu reagieren.
Hilfreich kann sein:
- kleinere Portionen zu wählen,
- langsam zu essen,
- Pausen während der Mahlzeit zu machen,
- bei deutlicher Sättigung nicht weiterzuessen,
- sehr große und besonders fettreiche Mahlzeiten zu vermeiden.
Gleichzeitig entsteht dabei ein Zielkonflikt: Je kleiner die Portionen werden, desto schwieriger kann es werden, ausreichend Protein und andere Nährstoffe aufzunehmen.
Deshalb sollte bei dauerhaft sehr kleinen Nahrungsmengen nicht nur darüber nachgedacht werden, wie man die Portion noch weiter reduziert. Die verbleibenden Mahlzeiten sollten möglichst nährstoffreich zusammengesetzt werden.
Weiterlesen: Was essen bei Wegovy oder Mounjaro? Ernährung bei wenig Appetit
Was hilft bei Verstopfung durch die Abnehmspritze?
Bei Verstopfung lohnt es sich, mehrere Faktoren anzuschauen.
Wenn plötzlich deutlich weniger gegessen wird, gelangt auch weniger Nahrungsvolumen in den Darm. Gleichzeitig können sich die Auswahl der Lebensmittel, die Ballaststoffzufuhr, die Trinkmenge und die körperliche Aktivität verändern.
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige Bewegung und eine individuell passende Ballaststoffzufuhr können deshalb wichtige Ansatzpunkte sein.
Ballaststoffreiche Lebensmittel sind beispielsweise:
- Vollkornprodukte,
- Haferflocken,
- Gemüse und Obst,
- Hülsenfrüchte,
- Nüsse und Samen.
Mehr Ballaststoffe sind aber nicht automatisch besser.
Wer die Ballaststoffmenge stark erhöht, obwohl gleichzeitig wenig getrunken wird oder bereits starkes Völlegefühl besteht, kann die Beschwerden unter Umständen sogar als unangenehmer erleben.
Deshalb sollte die Ballaststoffzufuhr an die individuelle Situation angepasst werden.
Bei länger anhaltender oder ausgeprägter Verstopfung sollte ärztlich geklärt werden, ob weitere Maßnahmen notwendig sind.
Was tun bei Durchfall?
Bei Durchfall ist zunächst besonders wichtig, den Verlust von Flüssigkeit im Blick zu behalten.
Eine pauschale „Durchfall-Diät“ für Wegovy oder Mounjaro gibt es nicht. Welche Lebensmittel gut vertragen werden, kann individuell sehr unterschiedlich sein.
Sehr große, fettreiche Mahlzeiten können Beschwerden bei manchen Menschen verstärken. Gleichzeitig sollte die Ernährung nicht unnötig stark eingeschränkt werden.
Bei wiederholtem oder starkem Durchfall sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden – insbesondere wenn zusätzlich Kreislaufprobleme, Schwäche oder Schwierigkeiten mit der Flüssigkeitsaufnahme auftreten.
Was tun bei Aufstoßen und Reflux?
Auch Aufstoßen, Sodbrennen oder Reflux können unter einer GLP-1-basierten Behandlung auftreten.
Hier können ebenfalls kleinere Mahlzeiten hilfreich sein. Sehr große Mahlzeiten kurz vor dem Schlafengehen sind bei Reflux generell ungünstig.
Welche Lebensmittel Beschwerden auslösen, ist individuell. Eine lange pauschale Verbotsliste ist deshalb wenig sinnvoll.
Statt vorsorglich immer mehr Lebensmittel zu streichen, kann ein Symptom- und Ernährungsprotokoll helfen herauszufinden, wann Beschwerden auftreten und welche Faktoren tatsächlich damit zusammenhängen.
Sollte man bei Nebenwirkungen öfter kleine Mahlzeiten essen?
Das kann sinnvoll sein – ist aber keine feste Regel für jeden.
Wer mit drei kleineren Mahlzeiten gut zurechtkommt und ausreichend versorgt ist, braucht nicht zwangsläufig Zwischenmahlzeiten.
Wenn größere Mahlzeiten dagegen regelmäßig Beschwerden auslösen oder aufgrund der frühen Sättigung kaum gegessen werden können, kann eine andere Verteilung der Nahrung über den Tag ausprobiert werden.
Wichtig ist dabei, die Gesamtversorgung nicht aus dem Blick zu verlieren.
Sechs winzige Mahlzeiten sind nicht automatisch besser als drei Mahlzeiten. Entscheidend ist, welche Struktur Beschwerden reduziert und gleichzeitig eine ausreichende Ernährung ermöglicht.
Genug trinken – leichter gesagt als getan
Bei Übelkeit, Völlegefühl, Erbrechen oder Durchfall kann auch die Flüssigkeitsaufnahme schwieriger werden.
Hinzu kommt, dass mit einer deutlich geringeren Nahrungsmenge auch weniger Flüssigkeit über Lebensmittel aufgenommen wird.
Deshalb sollte die Trinkmenge bewusst beobachtet werden.
Wasser und ungesüßte Getränke sind normalerweise eine gute Grundlage. Wenn größere Trinkmengen auf einmal unangenehm sind, können kleinere Mengen über den Tag verteilt besser funktionieren.
Eine allgemeine Trinkempfehlung passt allerdings nicht zu jedem Menschen. Insbesondere bei bestimmten Herz- oder Nierenerkrankungen können individuelle Vorgaben notwendig sein.
Muss ich bestimmte Lebensmittel bei Wegovy oder Mounjaro vermeiden?
Grundsätzlich gibt es keine allgemeine Liste verbotener Lebensmittel, die für alle Menschen unter Wegovy oder Mounjaro gilt.
Das halte ich auch in der Ernährungsberatung für wichtig.
Wenn ein Lebensmittel einmal Beschwerden verursacht hat, muss es nicht zwangsläufig dauerhaft gestrichen werden. Entscheidend sind unter anderem Menge, Zubereitung, Kombination mit anderen Lebensmitteln und die aktuelle Phase der Behandlung.
Statt immer mehr Lebensmittel zu verbieten, sollte die Frage deshalb lauten:
Was vertrage ich gerade und wie bekomme ich damit trotzdem eine ausgewogene Ernährung hin?
Wann sollte ich mit Nebenwirkungen zum Arzt?
Ernährung kann Beschwerden teilweise beeinflussen. Sie ersetzt aber keine medizinische Abklärung.
Insbesondere starke, ungewöhnliche oder anhaltende Beschwerden sollten ärztlich beurteilt werden.
Das gilt beispielsweise bei wiederholtem oder anhaltendem Erbrechen, wenn kaum Flüssigkeit aufgenommen werden kann, bei Zeichen einer Austrocknung oder bei starken und anhaltenden Bauchschmerzen.
Auch die Dosierung von Wegovy oder Mounjaro sollte nicht eigenständig aufgrund von Ernährungsempfehlungen verändert werden.
Die Anpassung der medikamentösen Therapie gehört in die Hände der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes.
Wie kann Ernährungsberatung bei Nebenwirkungen helfen?
In der Ernährungsberatung kann zunächst genauer betrachtet werden, wann und in welchem Zusammenhang die Beschwerden auftreten.
Dafür können beispielsweise Essenszeiten, Portionsgrößen, Lebensmittelauswahl, Trinkmenge und Beschwerden für einige Tage dokumentiert werden.
Anschließend lässt sich gezielter prüfen:
- Sind die Portionen momentan zu groß?
- Werden bestimmte Mahlzeiten schlechter vertragen?
- Wie hoch ist die Fett- und Ballaststoffzufuhr?
- Wird ausreichend getrunken?
- Reicht die gesamte Nahrungs- und Proteinaufnahme noch aus?
- Gibt es Lebensmittel, die unnötig gemieden werden?
- Welche Veränderungen lassen sich im Alltag tatsächlich umsetzen?
Das Ziel ist dabei nicht, Nebenwirkungen „wegzutherapieren“. Vielmehr soll die Ernährung so angepasst werden, dass sie möglichst gut verträglich ist und gleichzeitig eine ausreichende Versorgung ermöglicht.
Fazit: Ernährung an die Beschwerden anpassen
Übelkeit, Völlegefühl, Verstopfung und Durchfall können unter Wegovy oder Mounjaro auftreten. Gerade zu Beginn der Behandlung oder während der Dosissteigerung sind Magen-Darm-Beschwerden häufig.
Kleinere Portionen, langsames Essen und eine individuell angepasste Auswahl und Zusammensetzung der Mahlzeiten können bei manchen Beschwerden helfen. Bei Verstopfung können zusätzlich Flüssigkeit, Bewegung und eine passende Ballaststoffzufuhr relevant sein.
Dabei sollte die Ernährung aber nicht immer weiter eingeschränkt werden.
Das Ziel ist eine Balance: möglichst wenig Beschwerden und gleichzeitig ausreichend Protein, Nährstoffe und Flüssigkeit.
Starke oder anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt.
Sie nehmen Wegovy, Mounjaro oder ein anderes GLP-1-basiertes Medikament und wissen aufgrund Ihrer Beschwerden kaum noch, was Sie essen sollen?
In der Ernährungsberatung können wir Ihre Ernährung und Beschwerden gemeinsam analysieren und herausfinden, welche Veränderungen für Sie sinnvoll und alltagstauglich sind.
Quellen
Fachinformation Wegovy (Semaglutid): Angaben zu gastrointestinalen Nebenwirkungen, Häufigkeiten und Dosiseehöhung.
https://www.medicines.org.uk/emc/product/102344/smpc
Fachinformation Mounjaro (Tirzepatid): Angaben zu gastrointestinalen Nebenwirkungen und deren Auftreten während der Dosiserhöhung.
https://www.medicines.org.uk/emc/product/15482/smpc
Mozaffarian D et al. (2025): Nutritional priorities to support GLP-1 therapy for obesity: A joint Advisory from the American College of Lifestyle Medicine, the American Society for Nutrition, the Obesity Medicine Association, and The Obesity Society. American Journal of Clinical Nutrition.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40445127/
Gorgojo-Martínez JJ et al. (2023): Clinical Recommendations to Manage Gastrointestinal Adverse Events in Patients Treated with GLP-1 Receptor Agonists: A Multidisciplinary Expert Consensus. Journal of Clinical Medicine.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36614945/
Deutsche Adipositas-Gesellschaft et al. (2024): S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas.
