Wer Wegovy oder Mounjaro nimmt, hat häufig weniger Hunger und ist schneller satt. Genau das ist ein wichtiger Teil der Wirkung der Medikamente. Gleichzeitig stellt sich für viele die Frage: Was soll ich eigentlich essen, wenn ich kaum noch Appetit habe und nur kleine Portionen schaffe?
Denn weniger zu essen ist zwar wichtig für die Gewichtsabnahme aber gleichzeitig sollten die restlichen Mahlzeiten sollten ausreichend Protein, Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und andere wichtige Nährstoffe liefern.
Die Ernährung unter Wegovy oder Mounjaro sollte deshalb nicht einfach kalorienarm sein.
Je kleiner die Portionen werden, desto wichtiger wird die Qualität der Lebensmittel.
Warum verändert sich das Essen bei Wegovy und Mounjaro?
Wegovy enthält den GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid. Mounjaro enthält Tirzepatid, das sowohl am GIP- als auch am GLP-1-Rezeptor wirkt. Beide Medikamente beeinflussen unter anderem Hunger und Sättigung.
Viele Menschen bemerken deshalb:
- weniger Hunger,
- schnellere und längere Sättigung,
- kleinere Portionen,
- weniger Gedanken an Essen (Food Noise),
- manchmal andere Vorlieben oder Abneigungen gegen Lebensmittel.
Dazu können auch noch Beschwerden wie Übelkeit oder Völlegefühl kommen. Das senkt die Nahrungsaufnahme weiter.
Das ist ja eigentlich auch erwünscht, schließlich trägt das zu Gewichtsabnahme bei. Andererseits sollte die Ernährung nicht so wenig sein, dass eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen zu schwierig wird. Das kann später Probleme verursachen.
Was sollte man bei Wegovy oder Mounjaro essen?
Eine spezielle „Wegovy-Diät“ oder „Mounjaro-Diät“ gibt es nicht. Sinnvoll ist erst mal eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung, die an die kleineren Portionen und die eigene Verträglichkeit angepasst wird.
Eine einfache Mahlzeit könnte so aussehen:
Proteinquelle + Gemüse oder Obst + sättigende Kohlenhydratquelle + etwas hochwertiges Fett.
Das könnte zum Beispiel konkret so aussehen:
- Kartoffeln mit Kräuterquark und Gemüse,
- Vollkornbrot mit Ei oder Hüttenkäse und Rohkost,
- Joghurt oder Skyr mit Haferflocken, Obst und Nüssen,
- Linsengerichte mit Gemüse,
- Fisch mit Kartoffeln und Gemüse,
- Tofu mit Reis und Gemüse.
Die Portion muss dabei nicht einem klassischen großen Teller entsprechen. Wer schnell satt wird, kann dieselben Bestandteile in einer kleineren Portion kombinieren.
Protein wird bei kleinen Portionen besonders wichtig
Bei einer stärkeren Gewichtsabnahme geht nicht ausschließlich Körperfett verloren. Auch fettfreie Masse und Muskelmasse können abnehmen.
Eine ausreichende Proteinversorgung ist deshalb während der Gewichtsabnahme besonders wichtig. Gleichzeitig wird sie unter Wegovy oder Mounjaro manchmal schwieriger, denn wer nur noch die Hälfte seiner normalen Portion ist, nimmt meist weniger Protein auf.
Praktisch kann es deshalb sinnvoll sein, bei den Mahlzeiten zuerst an die Proteinquelle zu denken.
Geeignete Proteinquellen sind beispielsweise:
- Skyr, Quark, Joghurt und Hüttenkäse,
- Eier,
- Fisch,
- mageres Fleisch,
- Tofu und Tempeh,
- Linsen, Bohnen und andere Hülsenfrüchte wie Kichererbsen,
- proteinreiche pflanzliche Alternativen.
Wie viel Protein tatsächlich benötigt wird, ist natürlich individuell. Während einer Gewichtsreduktion werden in der Fachliteratur häufig höhere Mengen als für die Allgemeinbevölkerung diskutiert. Eine allgemeingültige Proteinmenge speziell für alle Menschen unter GLP-1-basierter Therapie gibt es derzeit jedoch nicht.
Außerdem: mehr Protein allein schützt die Muskulatur nicht vollständig. Körperliche Aktivität und vor allem Krafttraining sind wichtig.
Weiterlesen: Muskelverlust durch Abnehmspritze: Was können Ernährung und Training tun?
Gemüse und Obst: viele Nährstoffe auf wenig Platz
Wenn insgesamt weniger gegessen wird, sollten Gemüse und Obst nicht vollständig von Protein oder anderen Lebensmitteln verdrängt werden. Sie liefern unter anderem Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.
Man muss hier aber auch auf die Verträglichkeit achten. Ein riesiger Rohkostsalat ist bei ausgeprägtem Völlegefühl nicht automatisch die beste Wahl. Manchmal werden kleinere Portionen oder gegartes Gemüse besser vertragen.
Es geht nicht darum, möglichst viel Volumen zu essen, sondern eine gute Nährstoffdichte zu erreichen.
Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte nicht grundsätzlich streichen
Im Internet finden sich rund um Abnehmspritzen viele sehr protein- oder kohlenhydratarme Ernährungsempfehlungen.
Aber Kohlenhydrate müssen unter Wegovy oder Mounjaro aber nicht grundsätzlich vermieden werden.
Vollkornbrot, Haferflocken, Kartoffeln, Vollkornreis oder andere Getreideprodukte können liefern Energie, Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Hülsenfrüchte haben zusätzlich pflanzliches Protein.
Bei sehr kleinen Portionen muss individuell entschieden werden, welche Mengen sinnvoll sind.
Fett: Qualität und Menge beachten
Rapsöl, Olivenöl, Nüsse und Samen liefern unter anderem ungesättigte Fettsäuren und fettlösliche Vitamine. Fett gehört deshalb grundsätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung.
Sehr fettreiche Mahlzeiten können bei manchen Menschen unter GLP-1-basierter Therapie allerdings Beschwerden verstärken. Große Portionen von frittierten Speisen, Fast Food oder sehr fettreichen Mahlzeiten sind deshalb bei Übelkeit und Völlegefühl möglicherweise schlechter verträglich.
Das bedeutet nicht, dass eine fettarme Ernährung für jeden notwendig ist. Die Menge sollte wie immer an die eigene Verträglichkeit angepasst werden.
Trinken nicht vergessen
Auch die Trinkmenge kann unter der Abnehmspritze zum Thema werden. Wer weniger isst, nimmt auch weniger Flüssigkeit über Lebensmittel auf.
Bei Erbrechen oder Durchfall steigt das Risiko eines Flüssigkeitsverlustes zusätzlich.
Geeignet sind vor allem Wasser und andere energiearme Getränke wie ungesüßter Tee. Wie viel Flüssigkeit benötigt wird, hängt von Körpergröße, Ernährung, körperlicher Aktivität, Umgebungstemperatur und Erkrankungen ab.
Muss ich drei Mahlzeiten essen, obwohl ich keinen Hunger habe?
Nicht unbedingt. Eine starre Regel wie „Unter Wegovy müssen immer drei Mahlzeiten gegessen werden“ lässt sich wissenschaftlich nicht für alle Menschen begründen.
Entscheidend ist vielmehr, ob über den Tag ausreichend Energie, Protein, Flüssigkeit und andere Nährstoffe aufgenommen werden können und wie die Mahlzeiten vertragen werden.
Wer mit zwei Mahlzeiten gut versorgt ist, braucht nicht zwangsläufig eine dritte. Wer dagegen so wenig Appetit hat, dass mit zwei kleinen Mahlzeiten kaum noch eine ausreichende Versorgung möglich ist, kann von einer anderen Mahlzeitenstruktur profitieren.
Genau deshalb sollte die Mahlzeitenhäufigkeit individuell betrachtet werden.
Was essen, wenn ich fast keinen Appetit habe?
Wenn nur kleine Mengen möglich sind, können Lebensmittel hilfreich sein, die in relativ kleinen Portionen relevante Mengen an Protein und anderen Nährstoffen liefern.
Beispiele sind:
- Skyr oder Quark mit Obst,
- Joghurt mit Haferflocken und Nüssen,
- ein Ei mit Vollkornbrot,
- Hüttenkäse mit Brot und Gemüse,
- eine kleine Portion Fisch, Tofu oder Hülsenfrüchte mit Beilage,
- Suppen oder Eintöpfe mit einer Proteinquelle.
Dabei sollte Essen nicht dauerhaft zu einem Zwang werden.
Sehr geringe Nahrungsaufnahme über längere Zeit, starke Schwäche, wiederholtes Erbrechen oder andere ausgeprägte Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt.
Brauche ich einen Proteinshake?
Nicht automatisch.
Proteinshakes können praktisch sein, wenn der Proteinbedarf über normale Lebensmittel aufgrund sehr kleiner Portionen nur schwer erreicht werden kann. Sie sind aber keine Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung mit Wegovy oder Mounjaro.
Bevor regelmäßig Proteinpulver eingesetzt wird, würde ich zunächst schauen:
Wie viel Protein wird tatsächlich gegessen und wo fehlen geeignete Proteinquellen?
Manchmal lässt sich die Versorgung bereits durch kleine Veränderungen der normalen Mahlzeiten deutlich verbessern.
Brauche ich Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel?
Auch hier gilt: nicht pauschal.
Wegovy und Mounjaro verursachen nicht automatisch einen Vitamin- oder Mineralstoffmangel. Bei dauerhaft sehr geringer oder einseitiger Nahrungsaufnahme kann eine ausreichende Versorgung mit einzelnen Nährstoffen aber schwieriger werden.
Nahrungsergänzungsmittel sollten deshalb nicht nach dem Motto „GLP-1 = Multivitamin“ eingesetzt werden.
Sinnvoller ist es, die tatsächliche Ernährung, mögliche Risikofaktoren und gegebenenfalls vorhandene Laborwerte zu betrachten. Besteht der Verdacht auf einen Mangel, sollte dieser entsprechend abgeklärt werden.
Was tun bei Übelkeit, Völlegefühl oder Verstopfung?
Dann sollte die Ernährung an das jeweilige Problem angepasst werden.
Bei Übelkeit oder ausgeprägtem Völlegefühl können kleinere Mahlzeiten und eine angepasste Fettmenge hilfreich sein. Bei Verstopfung spielen dagegen eher Flüssigkeit, Bewegung und eine individuell passende Ballaststoffzufuhr eine Rolle.
Eine pauschale Liste mit Lebensmitteln, die jeder unter Wegovy oder Mounjaro vermeiden sollte, halte ich deshalb für wenig sinnvoll.
Weiterlesen: Übelkeit, Verstopfung und Völlegefühl bei Wegovy und Mounjaro: Was kann die Ernährung tun?
Fazit: Nicht möglichst wenig, sondern möglichst gut essen
Wegovy und Mounjaro machen es vielen Menschen leichter, weniger zu essen. Genau deshalb verändert sich aber die Aufgabe der Ernährung.
Je kleiner die Portionen werden, desto wichtiger wird es, was auf dem Teller landet.
Protein, Gemüse und Obst, geeignete Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte, hochwertige Fette und ausreichend Flüssigkeit bilden eine gute Grundlage. Wie diese Lebensmittel verteilt werden und welche Mengen sinnvoll sind, hängt von Appetit, Verträglichkeit, Gewichtsverlauf, Erkrankungen und dem individuellen Bedarf ab.
Eine qualifizierte Ernährungsberatung kann dabei helfen, aus allgemeinen Empfehlungen eine Ernährung zu entwickeln, die tatsächlich zur Behandlung und zum eigenen Alltag passt.
Sie nehmen Wegovy, Mounjaro oder ein anderes GLP-1-basiertes Medikament und sind unsicher, ob Sie trotz kleiner Portionen ausreichend versorgt sind?
In der Ernährungsberatung können wir Ihre aktuelle Ernährung konkret überprüfen und gemeinsam herausfinden, wo Anpassungen sinnvoll sind.
Quellen
Mozaffarian D et al. (2025):Nutritional priorities to support GLP-1 therapy for obesity: a joint Advisory from the American College of Lifestyle Medicine, the American Society for Nutrition, the Obesity Medicine Association, and The Obesity Society. American Journal of Clinical Nutrition.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40450457/
Deutsche Adipositas-Gesellschaft et al. (2024): S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas.
Fachinformation Wegovy (Semaglutid).
https://www.medicines.org.uk/emc/product/102344/smpc
Fachinformation Mounjaro (Tirzepatid).
https://www.medicines.org.uk/emc/product/15482/smpc
DGE-Fortbildung „Ernährungsberatung unter der Abnehmspritze“ (Thienel, 2026).
